Einzelbeschreibungen der Krankheitsbilder

 

Adipositas

Unser Körper braucht Fett als Schutz der inneren Organe und hat eine
Isolierfunktion für den Organismus und schützt vor Verletzungen.
Übergewicht ist aber auch gefährlich im Zusammenhang mit Fettsucht und kann
eine Reihe von schwerwiegenden Erkrankungen verursachen.
Man spricht von Adipositas wenn der Körper Mass Index (BMI) über 30 liegt.
Bei einem BMI über 40 sprechen wir von einer schweren Adipositas, die auch
ein sehr grosses Risiko für die Gesundheit des betroffenen Patienten bedeutet.
So weiss man etwa dass bei einem BMI über 30 die Lebensdauer um 6 Jahre verkürzt wird !
 

Folgeerkrankungen der Adipositas sind etwa :

  • Fettstoffwechselstörungen
  • erhöhte Harnstoffwerte ( Hyperurikämie = Gicht)
  • Bluthochdruck = Arterielle Hypertonie
  • Herversagen, Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt
  • Schlaganfall (durch Durchblutungsstörung oder Blutung im Gehirn)
  • Störungen im Kohlenhydrathaushalt mit Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus, Typ II) durch sog. Insulinrestistenz
  • nicht-alkoholisch bedingte Lebererkrankungen, Fettleber, Gallensteine
  • Sodbrennen (Reflux)
  • Krebserkrankungen (besonders Speiseröhr, Darm, Leber, Gallenblase, Niere. Bei Frauen : Brust, Uterus, Cervix und Ovarien. Bei Männer häufiger Magenkrebs und Bauchspeicheldrüsen-Krebs
  • Schlaf-Apnoe-Syndrom
  • Lungenerkrankungen durch Minderbelüftung (sog. restriktive Ventilationsstörungen)
  • Erkrankungen am Bewegungsapperat, besonders Arthrose in den Knien und Hüftgelenken
  • erhöhtes Risiko bei Narkosen und Operationen
  • Gerinnungsstörungen und Gefahr von Thrombosen
  • Unfruchtbarkeit bzw. Komplikationen in der Schwangerschaft / Geburt.

 

Übergewicht stellt auch ein Risiko für Narkosen im Falle eines Notfalleingriffs oder bei geplanten Operationen.

Bei Obesitas ( Fettleidigkeit ) hilft die stufenlos in der Höhe verstellbare Fußstütze der Fitform-Sessel.

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Chorea Huntington

Die Chorea major (Huntington), auch als Huntingtonsche Chorea oder Huntington-Krankheit ist eine vererbliche unheilbare Krankheit des Gehirns.

Die Krankheit nimmt immer einen schweren Verlauf und führt im Durchschnitt 15 Jahre nach den ersten Symptomen zum Tod.

Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans)

Morbus Bechterew ist eine chronisch-rheumatische, schmerzhafte und unheilbare Krankheit.

Das Kreuzbein-Darmbein-Gelenk und die Wirbelsäule werden bei endzündlichen Prozessen befallen.

Die Zwischenwirbelgelenke und sämtliche Bänder der Wirbelsäule können von der Entzündung erfasst werden.

Die Zwischenwirbelgelenke verlieren ihre Beweglichkeit, die Bandscheiben und die Bänder können versteifen und verknöchern.

Im Extremfall versteift die gesamte Wirbelsäule.

Die Folge kann eine teilweise, im Endstadium auch vollständige Versteifung sein, oft in mehr oder weniger

nach vorn gebeugter Haltung (Kyphose), und außerdem eine Brustkorbstarre, die das Atemvolumen einschränkt.

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Morbus Reiter  Reaktive Arthritis

ist eine reaktive entzündliche seronegative Gelenkerkrankung.

 

Kyphose-Rückenlehne (einstellbar) bei einem Fitform-Pflege-Modell

Im Mittelteil der Position der Wirbelsäule wird die Rückenlehne
mit weicheren Schäumen ausgefüllt.
Besser und komfortabler können Personen mit Kyphose
(Wirbelsäulen-Verkrümmung) sitzen.
Dadurch kann die Wirbelsäule tiefer einsinken und zusätzliche
Schmerzen werden weitgehend  vermieden.
Die Rückenlehne verfügt zudem über eine Top-Swing-Kopfstütze
und über einen zweiten Knickpunkt.
Dadurch wird die Rückenlehne optimal in den Rücken angepasst.
Durch die Verwendung von weichen Schäumen kann es zu
Falten und Verformungen des Stoffbezugs kommen. 
Eine Kyphose-Rückenlehne kann gegen Aufpreis auch mit einer
eingebauten Lendenstütze geliefert werden.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------


ALS-Erkrankung
Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) fortschreitenden Muskellähmung die zum Tod führt.

Bisher kein Heilmittel gefunden.

Drei Varianten der Krankheit sind bekannt.

Die meisten ALS-Fälle treten scheinbar spontan auf nur bei 10 % wurde eine erbliche Form festgestellt.

Eine dritte Form der ALS Form als Erkrankung wurde im Pazifischen Raum festgestellt wobei Japan

vermehrt genannt wurde.

Bei dieser bauen die Patienten zusätzlich zu den Muskellähmungen auch geistig stark ab.

In wieweit die Form aus Japan zu der erst genannten in Verbindung steht konnte bisher nicht ermittelt werden.


Eine von fünf verschiedenen A.L.S.-Erkrankungsarten.

Gehrig-Syndrom


Eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems nennt man auch Amyotrophische Lateralsklerose, Myatrophe Lateralsklerose, motor neuron disease, Lou-Gehrig-Syndrom,

früher auch als Charcot-Krankheit bekannt.

Eine zunehmende Degeneration des oberen und des unteren Motoneurons,

das sind die Nervenbahnen, die die Muskulatur des Körpers steuern und

daher für alle Bewegungsabläufe zuständig sind, im Gehirn und im Rückenmark macht sich hier bemerkbar.

Eine nicht aufzuhaltende Muskellähmung am ganzen Körper sind die Folge.

Auch die Atemmuskulatur wird davon betroffen.

Nebenerscheinungen wie Lungenentzündungen, sind häufig die Folge, da die Betroffenen

nicht mehr richtig schlucken können und so Speisen in die Atemwege geraten.

Die Patienten fühlen meist eine zunehmende Muskelschwäche, ein Muskelschwund oder Muskelzuckungen.

Die Augenmuskeln, sind hiervon ausgenommen, sonst kann sie sich überall am Körper zuerst zeigen.

Oft macht sich auch eine Kontrollverlust beim Lachen, Weinen oder Gähnen bemerkbar.

Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten.

Die meisten Patienten sind aber älter als 50.

An ALS erkranken von 100.000 Menschen ein bis zwei pro Jahr. Frauen seltener als Männer.

Die Prognose ist schlecht.

Bestenfalls lebt die Hälfte der Patienten noch nach fünf Jahren.

Schneller sterben allerdings Patienten mit Schluck- und Sprachproblemen.

Bezüglich der Häufigkeit gibt es gewisse regionale Schwankungen.
Textbeschreibung: Copyright © by Frank Grebe

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Piriformis-Syndrom

Der Name des Syndroms geht zurück auf den Piriformis-Muskel, der inneren oder

äußeren Druck auf den Ischiasnerv ausübt bzw. überträgt und dadurch die Reizung verursacht – z.B.

durch Unfälle oder Stürze auf das Gesäß, länger andauernde, eintönige Belastung

(z.B. durch Ausdauerlauf), häufiges vornüber gebeugtes Arbeiten,

falsches Bücken oder ständiges schweres Heben aus der aus einer Grätschstellung heraus.

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Dekonditionierung

Abnahme der Leistungsfähigkeit. Chronifizierung von Rückenschmerzen.

Untersuchungen belegen für den Bereich der Wirbelsäule hohe Korrelationen

zwischen Dekonditionierungsstadium und Chronifizierungsgrad.

Man spricht auch von einer Muskulären Dekonditionierung im Altersgang-Biologische

und sozialisationsbedingte Abbauprozess.

Textbeschreibung: Copyright © by Frank Grebe

--------------------------------------------------------------------------------------------

Weichteilrheumatismus

Jeder Mensch hat schon einmal weichteilrheumatische

Beschwerden erlebt. Muskelverspannungen treten auf insbesonderde am Rücken,

an den Hüften aber auch im Schulterbereich.

Unter dem Begriff Weichteilgewebe verbirgt sich Muskeln, Sehnen,

Sehnenscheiden, Schleimbeutel, Bänder, Binde und Fettgewebe.

Daraus können Nerven und Gefäße in Mitleidenschaft gezogen werden.

Textbeschreibung: Copyright © by Frank Grebe

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Periarthropathie

Als Periarthropathie werden im Allgemeinen weichteil-rheumatische Beschwerden bezeichnet,

die in faktisch allen Körperregionen vorkommen können.

Die wörtliche Übersetzung lautet „Beschwerden in Gelenknähe“ und weist auf eine Problematik

der Sehne in Verbindung mit einer Funktionsstörung des Muskels, manchmal auch mehrerer Sehnen

und Muskeln hin.

Textbeschreibung: Copyright © by Frank Grebe

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Multiple Sklerose

Die Multiple Sklerose (MS) und deren seltene Varianten Neuromyelitis optica

und akut disseminierte Enzephalomyelitis ist mit mehr als 120.000 Erkrankten in Deutschland

die häufigste chronische ZNS-Erkrankung junger Menschen.

Deshalb ist die Überarbeitung der aus 2008 vorliegenden S1-Leitlinie dringend erforderlich,

um die zeitgerechte Versorgung von MS-Patienten zu gewährleisten.

Definition und Klassifikation Begriffsdefinition.

Die MS ist die häufigste neurologische Erkrankung, die im jungen Erwachsenenalter

zu bleibender Behinderung und vorzeitiger Berentung führt.

Es handelt sich um eine immunvermittelte chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems, die histopathologisch in unterschiedlicher Ausprägung zu Demyelinisierung und axonalem Schaden führt. Verschiedene histopathologische Muster der Entmarkung wurden bei der Untersuchung aktiv demyelinisierender Läsionen von MS-Patienten gefunden (Lassmann et al. 2001).
Klinisch beginnt die MS bei über 80 % der Patienten mit einem schubförmigen Verlauf.

Häufige Frühsymptome sind Sensibilitätsstörungen, eine Gangstörung mit häufig belastungsabhängiger

Schwäche der Beine und Gangunsicherheit sowie eine einseitige Optikusneuritis (Weinshenker 1998).

Bei den meisten Patienten bilden sich die Symptome eines Schubes innerhalb von 6–8 Wochen zurück.

Wenn neu aufgetretene Beschwerden über 6 Monate persistieren, sinkt die Rückbildungswahrscheinlichkeit

auf unter 5 % (Ellison et al. 1994).

Beim natürlichen Verlauf der unbehandelten Erkrankung liegt die Schubrate initial bei ca. 1,8 Schüben

pro Jahr und nimmt dann in den Folgejahren kontinuierlich ab (Tremlett et al. 2008).

Die Krankheitsprogression ist bei der schubförmigen und progredienten Verlaufsform ab einem

bestimmten Grad der Behinderung vergleichbar rasch (Confavreux et al. 2000).

Als Anfangsstadium der klinischen Erkrankung wird das klinisch isolierte Syndrom (KIS) beschrieben.

Bei Auftreten einer erstmaligen typischen klinischen Symptomatik (siehe Frühsymptome),

die von der Präsentation auf ein demyelinisierendes Ereignis deutet, fehlen hier die

klassischen Kriterien der zeitlichen Dissemination (Miller et al. 2004).

Multifokale MR-Läsionen wurden als ein erhöhtes Risiko eines raschen Übergangs zur MS angesehen

(Tintore et al. 2003).

Mit der zweiten Überarbeitung der Diagnosekriterien nach McDonald kann heute schon die Diagnose

einer MS gestellt werden, wenn sich eine floride, jedoch klinisch asymptomatische Gadolinium

aufnehmende Läsion darunter befindet (Polman et al. 2011) (s. u.).

Insgesamt erlauben die heutigen MS-Diagnosekriterien somit eine frühere und spezifischere

Diagnosestellung (Barkhof et al. 2003).

Unbehandelt kommt es bei mindestens 50 % der Patienten nach durchschnittlich 10 Jahren zu

einer sekundären Progredienz, d. h. zu einer schleichenden Zunahme klinischer Symptome

und neurologischer Beeinträchtigungen, anfangs ggf. mit, später meist auch ohne zusätzliche Schübe.

Definitionsgemäß wird beim chronisch progredienten Verlauf eine kontinuierliche Zunahme

der Symptome und Ausfallserscheinungen über mindestens 6 Monate hinweg gefordert.

Eine hohe Anzahl von Schüben innerhalb der ersten beiden Krankheitsjahre ist oft mit

rascherer Progredienz verbunden (Weinshenker 1998, Lublin et al. 2003).

Nur ca. 10–15 % der Patienten haben im Verlauf der Erkrankung keine Schübe.

Bei ihnen beginnt die Erkrankung bereits mit einer schleichenden Zunahme neurologischer Symptome.

Dies wird als primär progredienter Verlauf (PPMS) bezeichnet.

Es entwickelt sich dann häufig eine über Jahre zunehmende spastische Gangstörung,

seltener auch ein progredientes zerebelläres Syndrom (Thompson et al. 2000).

Bei dieser Verlaufsform finden sich deutlich weniger entzündliche Veränderungen in der kranialen MRT.

Bei etwa ein Drittel der Patienten führt die MS zu vorzeitiger Berentung (Flachenecker et al. 2005).

Unter Berücksichtigung auch der indirekten Kosten (Produktivitätsverlust durch Arbeitsunfähigkeitszeiten

oder vorzeitige Berentung) und der informellen Hilfe durch Angehörige betragen die jährlichen

volkswirtschaftlichen Krankheitskosten bundesweit insgesamt 4 Mrd. Euro, pro Patient durchschnittlich

ca. 33.000 Euro.

Hierbei ist zu berücksichtigen, dass sich ein fast exponentieller Anstieg der Kosten mit zunehmendem

Grad der Behinderung ergibt (Kobelt et al. 2006).

In den letzten Jahren ist der Anteil der Medikamentenkosten zusätzlich deutlich gestiegen.

Epidemiologie

Weltweit sind ca. 2 Mio. Menschen von MS betroffen, in Deutschland wird die Zahl der Erkrankten

auf mindestens 120.000 geschätzt (Hein u. Hopfenmüller 2000).

Die jährliche Inzidenz liegt bei ca. 3,5–5 pro 100.000 Einwohner und steigt nach Daten aus

skandinavischen Landesregistern an, mit einer bemerkenswerten Zunahme des Anteils an erkrankten Frauen.

Auch regelmäßiges Rauchen führt zu einer 1,5-fachen Risikosteigerung.

Frauen sind von der schubförmig verlaufenden MS etwa dreimal häufiger betroffen als Männer

(Koch-Henriksen u. Sorensen 2010).

Der Erkrankungsgipfel liegt um das 30. Lebensjahr, wobei die MS immer häufiger bei Kindern

und Jugendlichen diagnostiziert wird (Banwell et al. 2007) und die Ersterkrankung jenseits

des 45. Lebensjahres zunehmend häufiger auftritt.

Noch immer beträgt die durchschnittliche Zeit vom Erstsymptom bis zur Diagnosestellung 3,4 Jahre

(Banwell et al. 2007).

Es gibt gut dokumentierte Einzelfälle von MS, die sich erstmals in der ersten, aber auch solche,

die sich in der siebten Lebensdekade manifestiert haben.

Bei der PPMS sind Männer etwa gleich häufig wie Frauen betroffen; diese Verlaufsform beginnt

typischerweise in der vierten oder fünften Lebensdekade.

Die MS tritt vorwiegend in den gemäßigten Breiten nördlich und südlich des Äquators auf und dort

findet sich die höchste Prävalenz bei der Bevölkerung kaukasischen Ursprungs (Ebers u. Sadovnick 1994).

Strategien zur Primärprävention sind bisher nicht bekannt.

Die geografische Verteilung hat zunehmend die Bedeutung von Vitamin D in das wissenschaftliche

Blickfeld gerückt.

In Regionen mit niedriger MS-Inzidenz herrscht eine hohe Intensität der Sonnenstrahlung,

die zu starker Vitamin-D-Bildung in der Haut führt.

Die immunregulatorische Rolle von Vitamin D könnte bei gegebener Suszeptibilität ein

Kofaktor für die Krankheitsmanifestation sein.

Dies wird gestützt durch den Nachweis von erniedrigten Vitamin-D-Werten bei der kindlichen

MS (Banwell et al. 2011) und zum Zeitpunkt der Erstmanifestation bei Erwachsenen

(Pierrot-Deseilligny u. Souberbielle 2010).  Zurzeit laufen mehrere prospektive Studien zur

Vitamin-D-Substitution bei MS-Patienten an.

Die klassische Diagnose einer MS stützt sich auf die Anamnese

(Hinweise für bereits früher stattgehabte neurologische Ereignisse mit Schubcharakter),

die Objektivierung klinisch neurologischer Ausfälle, die eine zentralnervöse Störung anzeigen,

sowie den klinischen oder paraklinischen Nachweis einer zeitlichen und örtlichen Dissemination

bei Ausschluss anderer Ursachen.

Für die richtige Einordnung der klinischen Präsentation ist die Definition eines Schubes zu beachten:

Merke
Definition eines Schubes. Neue oder eine Reaktivierung bereits zuvor aufgetretener klinischer

Ausfälle und Symptome, die subjektiv berichtet oder durch die Untersuchung objektiviert

werden können und  mindestens 24 Stunden anhalten, mit einem Zeitintervall von = 30 Tagen

zum Beginn vorausgegangener Schübe auftreten und nicht durch Änderungen der Körpertemperatur

(Uhthoff-Phänomen) oder im Rahmen von Infektionen erklärbar sind.

Einzelne, wenige Sekunden oder Minuten andauernde paroxysmale Episoden

(wie z. B. tonische Spasmen, Trigeminusneuralgie) werden definitionsgemäß nicht als Schub eingeordnet.

Multiple Episoden dieser Art mit einer Dauer von mehr als 24 Stunden können

jedoch Ausdruck von Entzündungsaktivität sein und als Schub angesehen werden.

Die genaue Beachtung dieser Definition ist wichtig, da die Anzahl der Schübe innerhalb

eines festgelegten Zeitraumes mitentscheidend für die Indikation einer verlaufsmodifizierenden

Behandlung ist und auch bei der Beurteilung des Therapieeffektes Berücksichtigung findet

( siehe Kap. Therapie).

Nach neuesten, international anerkannten Kriterien (Polman et al. 2011) kann

die Diagnose einer MS nunmehr bereits gestellt werden, wenn nach einem

ersten Krankheitsschub klinisch nachweisbare Auffälligkeiten in mindestens einem Funktionssystem

bzw. durch Untersuchung der visuell evozierten Potenziale (VEP) vorliegen und sich zusätzlich

2 oder mehr charakteristische Läsionen in der initialen MRT finden.

Die Lokation dieser Herde sollte in mindestens 2 der 4 folgenden Hirnregionen liegen:

periventrikulär, juxtakortikal, infratentoriell oder Rückenmark

(wird nicht gewertet bei Hirnstamm- oder spinalen Symptomen).

Das darüber hinaus erforderliche Kriterium der zeitlichen Dissemination ist dann erfüllt,

wenn eine nicht symptomatische Kontrastmittel aufnehmende Läsion zum Zeitpunkt der

Erstuntersuchung vorliegt oder eine neue T2- oder (asymptomatische) Gadolinium

aufnehmende Läsion in einem zu einem beliebigen Zeitpunkt durchgeführten MRT-Scan

im Vergleich zu der nach Auftreten der ersten klinischen Beschwerden angefertigten

Referenzbildgebung zur Darstellung kommt.

Die frühe Diagnosestellung ist auch für die rechtzeitige Einleitung einer

immunmodulatorischen Therapie von Bedeutung (Rovaris et al. 2006).

In gleichem Maße gewinnt die sichere differenzialdiagnostische

Abgrenzung gegenüber ähnlichen Krankheitsbildern wie Neuromyelitis optica (s. u.),

Kollagenosen, Borreliose, Sarkoidose, zerebrovaskulären oder metabolischen Erkrankungen

zunehmend an Bedeutung.

In den neuesten Diagnosekriterien wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die

vorliegenden neurologischen Symptome durch „nichts besser als durch das Vorliegen einer MS"

erklärt werden können (Polman et al. 2005, Polman et al. 2011).

Eine hohe Entzündungsaktivität mit mehreren Schüben in der Frühphase der Erkrankung bzw.

zahlreichen Herden in der T2-gewichteten MRT (Brex et al. 2002) sowie ein polysymptomatischer

Beginn mit früher Beteiligung pyramidaler oder zerebellärer Funktionssysteme

und anhaltenden Defiziten (Weinshenker et al. 1989) ist signifikant häufiger

mit einem prognostisch ungünstigen spontanen Krankheitsverlauf assoziiert.

Ebenso konnte gezeigt werden, dass pathologische somatosensibel evozierte Potenziale (SSEP)

und motorisch evozierte Potenziale (MEP) in der Frühphase der Erkrankung (Kallmann et al. 2006)

sowie eine intrathekale IgM Produktion (Villar et al. 2002) mit einem höheren

Risiko der frühen Krankheitsprogression verbunden sein können ( Tab. 31.1).

Eine prognostische Bedeutung von Antikörpern gegen Bestandteile des zentralen Myelins

(z. B. gegen basisches Myelinprotein [MBP] und Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein [MOG])

konnte aber bei neueren Untersuchungen nicht bestätigt werden (Kuhle et)

Textbeschreibung: Copyright © by Frank Grebe
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------